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ABOUTYOU AWARDS 2018 – Gemischte Gefühle

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Wie unschwer mitzubekommen, fanden am Donnerstag die AboutYou Awards 2018 statt, bei denen die Social Media Stars des Jahres ausgezeichnet wurden. 700 eingeladene Influencer, 21 Finalisten, 7 Kategorien, 2 Stimmungen in meinem Kopf.

Aber mal ganz von vorn. Als die Einladung zu den Awards reinflatterte, habe ich mich tierisch gefreut. Allein die Aufmachung der Karte, die Einladung zur Reise und das Tamtam drumherum haben mich irgendwie beeindruckt. Das muss wohl ein riesen Event werden – ein Pre-Event mit vielen namhaften Unternehmen und Attraktionen, Red Carpet, Essen & Getränken, Show in den Bavaria Filmstudios, Übertragung auf Pro7, Aftershowparty. Mit einer totalen Vorfreude fuhr ich nach München, ohne an die mir eigentlich bekannte Oberflächlichkeit zu denken.

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Doch die ließ nicht lange auf sich warten. Spätestens beim Einsteigen in den Shuttle zur Show spürte man die Blicke, die einen von oben bis unten musterten. Ob positiv oder negativ, keine Ahnung. Ich weiß nur, dass das Gefühl nicht das angenehmste ist. Zum Glück saß dann ein ganz, ganz liebes Mädchen, Charlotte, neben mir, die mein erstes Gefühl relativieren konnte. Nun ja, in der Schlange vor dem Einlass ging das Bemustern und Belächeln weiter, eine schöner als die andere, eine künstlicher als die andere, eine mehr Follower als die anderen. Und irgendwie fühlt man sich schlecht. Und nein, das liegt nicht an meinem Selbstvertrauen, ich würde sogar behaupten, dass meines sogar sehr stark ist und mir die meisten Meinungen anderer nichts wert sind. Und trotzdem. Die Veranstaltung, die Mühe und die Unterhaltung waren wirklich toll, gar keine Frage! Und ich habe mich auch tierisch gefreut, bekannte Gesichter wiederzusehen. Ich möchte auch bei weitem über niemanden urteilen, ich kann nur für mich sprechen. Nur wenn man Situationen mitbekommt, in denen kleine Blogger von anderen ignoriert werden, weil sie nicht genügend Follower haben und über andere Mädels direkt nach einer Unterhaltung abgelästert wird, bewirkt das in mir ein totales Unwohlsein. Auch wenn diese Begegnungen nichts mit mir zutun haben. Auch wenn wahrlich nicht jeder so ist. Diese vereinzelten Attitüden lassen die Branche aber so belächeln und unsympathisch wirken. Hauptsache sehen und gesehen werden. Wir alle haben uns aber doch aus dem gleichen Grund für das Hobby/den Job entschieden: Spaß und Leidenschaft. Warum können wir das nicht miteinander teilen, voneinander lernen, aneinander wachsen? Das kriege ich nicht in meinen Kopf. Keiner wird besser, weil er auf andere hinab schaut. Jeder wird besser, wenn er anderen hinauf hilft.

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Ein kleiner Fangirl-Moment mit Sofia von Matiamubysofia

Und die Awards und Gewinner? Mir hat irgendwas gefehlt, ich kann es bis jetzt nicht so richtig in Worte fassen. Die liebe Lisa von The L Fashion schrieb in einem Statement: „Meine Awards gehen an die Menschen, die der Branche einen wirklichen Mehrwert geben. Frauen (und Männer), die den Namen Blogger verdient haben, weil sie wirklich noch einen Blog schreiben und nicht erst vor drei Jahren allein durch Instagram groß wurden. Die Frauen (und Männer), die das Bloggen nach Deutschland gebracht haben und sich seit teilweise mehr als über 8 Jahren mit aller Leidenschaft interessanten Themen widmen. Frauen (und Männer), für die Individualität und tiefgründige Themen vor Einheitsbrei und daraus resultierenden Erfolg kommen.“ Besonders der erste und letzte Satz treffen genau den Kern meiner Gedanken. Hier steht in manchen Fällen anscheinend Quantität vor Qualität. Reichweite statt Mehrwert. Das bedrückt mich… woher sollen die Nachwuchstalente dann die Motivationen nehmen, einen Mehrwert für die Gemeinschaft zu schaffen? Für solche Awards und viele Unternehmen scheint es doch dann eh nur um die Reichweite zu gehen. Dieser Diskussion stellen wir uns in unserer Agentur auch fast täglich. Es soll sich niemand angegriffen fühlen, viele der Nominierten gehören zu denen, die aus dem Einheitsbrei ausbrechen und alles andere als 0815 sind. Die dadurch die Massen begeistern. Die einen Mehrwert schaffen. Aber eben nicht alle. Warten wir ab, ich bin der festen Überzeugung, dass sich das in Zukunft wandeln wird – als eine Art „natürliche Selektion“.

Ich schrieb diese Zeilen im Zug von München nach Hause, ließ den Abend noch mal Revue passieren und fragte mich, was diese Veranstaltung für einen Mehrwert für mich persönlich hatte. Eine Tasche voller Goodies, ein Levis Shirt, ein paar Bilder, 3 Sekunden im TV und sonst? Ein gemischtes Gefühl aus Wertschätzung und Überflüssigsein. Eine Mischung aus „ich freue mich ein Teil der Branche zu sein“ und „ich bin enttäuscht über die Menschlichkeit in der Influencer-Welt“. Eine Mischung aus „ich will dabei sein“ und „ich möchte damit nichts zu tun haben“. In meinem Kopf herrscht Wirrwarr: ich liebe das, was ich tue, aber nicht, wie es oft untereinander gehandhabt wird.
Das muss sich ändern. Das werden wir ändern.

  • Reply
    Nissi Mendes
    Mai 8, 2018 at 2:17 pm

    Einen tollen Artikel. Deine gemischte Gefühle kann ich sehr wohl nachvollziehen.

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