IM GESPRÄCH: die Gründerinnen von SHIPSHEIP

Heute möchte ich euch ein neues Label vorstellen, das ihr für die Zukunft definitiv im Hinterkopf behalten solltet – SHIPHEIP. Denn: die selbst designten Accessoires sehen nicht nur toll aus, sondern haben auch eine spannende Hintergrundgeschichte.
Um euch einen kleinen Einblick hinter dieses Kölner Fair-Fashion-Label zu geben, durfte ich die beiden Gründerinnen Danny und Joana treffen und habe ihnen einige Fragen zu ihrem Herzensprojekt gestellt.

IMG_3334-001

1. Für alle, die euch noch nicht kennen: Wer seid ihr und welche Idee steckt hinter dem Label Shipsheip?

Wir sind Joana und Danny, Modedesignerin und Theologin, und zusammen haben wir im letzten Herbst SHIPSHEIP gegründet. Dahinter steckt ein Fashionlabel, das ausschließlich fair und organisch produziert. Wir lieben Mode – aber dass sie häufig auf Kosten anderer produziert wird, ist inakzeptabel. Vor allem, weil wir wissen, dass es auch anders geht.  
Genau deshalb haben wir uns auch unseren Namen ausgesucht. „It´s all shipshape and Bristol Fashion“ ist eine nautische Phrase, die man früher dafür benutzt hat, wenn beispielsweise das Schiffsdeck frisch und blitzeblank gebohnert war. Sie steht dafür, dass alles tadellos in Ordnung ist. Diesen Anspruch stellen wir inhaltlich an unser Label, und zwar von Anfang bis Ende. Mit der leicht geänderten Schreibweise, die an die Lautschrift angelehnt ist, haben wir daraus einen Eigennamen gemacht, der aber genauso wie das englische Adjektiv „shipshape“ ausgesprochen wird. 

IMG_3313

Das sind die beiden: links Danny und rechts Joana

2. Als studierte Modedesignerin ist es ja nicht abwegig, ein eigenes Modelabel zu gründen – warum aber die Entscheidung für Fair-Fashion?

Für mich als Modedesignerin lassen sich Ethik und Ästhetik gar nicht trennen. Vielmehr bedingen sie sich gegenseitig und entwickeln erst im Zusammenspiel einen wahren Mehrwert. Das ist vielleicht vergleichbar damit, wenn Menschen durch ihre Art, ihren Charakter in unseren Augen noch schöner werden.  
Wenn wir mit SHIPSHEIP Mode entwerfen, die wieder den Menschen in den Mittelpunkt stellt, heißt das außerdem, dass wir uns damit nicht nur gegen Ausbeutungen innerhalb der Wertschöpfungskette einsetzen. Sondern dass wir auch auf das Verständnis von Mode selber Einfluss nehmen wollen: Wenn pro Jahr 12 Kollektionen herausgebracht werden und wir täglich neuen Trends hinterherlaufen, dann hat das weder etwas mit kreativem Design zu tun, noch damit, dass Kleidung individueller Ausdruck des Einzelnen ist. Auf der Fashion Week haben wir gesehen, dass dieses Umdenken langsam zunimmt, es ist de facto aber immer noch eine Nische.

3. Eine Besonderheit an Shipsheip ist ja, dass ihr euch die Zeit genommen habt und jede einzelne Produktionsstätte in Indien abgereist seid, um euch selbst von der fairen Produktion ein Bild zu machen. Welche Stationen waren das und was waren eure beeindruckendsten Erlebnisse auf dieser Reise?

Unsere Wertschöpfungskette startet bei den Baumwollbauern in Bolangir/Orissa. Dort bekommen wir unsere tolle Biobaumwolle her, die nach der Entkernung zum Spinnen (Armstrong Spinning Mills), Stricken (Shakti Knitting) und Färben (Colorsburg) nach  Südindien, geschickt wird.

7_CBS92881_spinnen_kofektion_ecofair_produktion_web

Alle Verarbeitungsschritte nach der Rohstoffgewinnung liegen in einem Umkreis von 40 Kilometern, damit die Transportwege möglichst kurz gehalten werden. Die letzte Station ist die kleine Manufaktur MILA Fair Trade Clothing, in der unsere Produkte genäht und bedruckt werden.

4_kofektion_ecofair_produktion_web1_veredelung_ecofair_produktion_web

Die gesamte Reise war unfassbar beeindruckend, intensiv und – wie man sich gut denken kann – eine ziemliche Reizüberflutung. Was uns aber tatsächlich am meisten geprägt hat, war der Besuch in den unterschiedlichen Dörfern der Baumwollbauern. Weil dort am meisten spürbar war, welcher existenzielle Unterschied zwischen fairem und konventionellem Handel liegen kann. Durch die bessere Bezahlung und zusätzliche Unterstützung des Fairen Handels bekommen die Menschen dort wieder eine Perspektive: Sie können weiter als nur bis zum nächsten Tag planen, ihre Kinder in die Schule schicken und es sich leisten, auf organischen Anbau umzusteigen. Die Lebensfreude und das Selbstbewusstsein, die daraus resultieren, das eigene Leben selber in der Hand zu haben, war mit das Schönste, was wir gesehen haben.

Fair-Fashion-SHIPSHEIP-bio-baumwolle-nachhaltigkeit-indienreise

Alle Bilder aus Indien © Christoph Benjamin Schnedler

4. Wird euer Hauptaugenmerk in Zukunft weiterhin auf Schals liegen oder wird es in der hoffentlich baldigen Kollektion weitere Accessoires geben?

In der nächsten Kollektion wird es natürlich auch weiter unsere Schals geben, wir holen aber mit Fliege und Krawatte noch zwei neue Herrenaccessoires dazu. Außerdem wollen wir unsere ersten Cardigans herausbringen – sowohl für Frauen als auch Männer.

Hier möchte ich euch gerne auch noch einmal auf die Crowdfunding-Aktion auf startnext aufmerksam machen, bei der ihr Danny und Joana für ihre neue Kollektion unterstützen könnt – auch ich bin sofort Fan geworden!

5. Und zu guter Letzt: Wie würdet ihr Leute, die noch keinen Wert auf Fair-Fashion legen, überzeugen, genau dies zu tun?

Unserer Meinung nach besteht das Hauptproblem immer noch darin, dass zu wenig bewusst ist, was alles hinter einem einzelnen Shirt oder einer Hose steckt. Die traurige Tatsache ist ja, dass für die meisten Produkte nicht nur die Umwelt massiv verschmutzt wird, sondern Menschen regelrecht ausgebeutet werden und gegen ihre Rechte verstoßen wird. Dabei ist es nicht relevant, ob man in Billiggeschäften oder bei teuren Marken einkauft: die wahren Kosten tragen meist nicht wir, sondern diejenigen, die es sich am wenigsten leisten können. Auch wenn diese Problematik mittlerweile, insbesondere durch Katastrophen wie Rana Plaza, sehr viel bekannter ist, ist sie immer noch nicht präsent genug und geht gerade im Alltagstrubel schnell unter.   
 
Die gute Nachricht ist allerdings, dass es noch nie so leicht und schön war wie jetzt, sich mit ecofairer Mode einzudecken. Und man wirklich nicht unterschätzen darf, was man als einzelner Konsument für einen Einfluss hat – gerade wenn man seine alltäglichen Gewohnheiten umstellt.

logo
Folge Shipsheip auf: Facebook, Instagram, Twitter und shoppe die Produkte hier.



Und, überzeugt? Auch wenn ich mich bis dato nicht großartig mit der Thematik Fair-Fashion auseinander gesetzt habe, haben mich die beiden auf jeden Fall überzeugt, in Zukunft vermehrt auf die Produktion meiner Kleidung zu achten – immerhin habe ich nun schon ein Lieblingslabel für Schals und Accessoires.

Natürlich werde ich euch demnächst auch einige dieser Teile vorstellen – also stay tuned! Hier schon mal ein ganz kleiner Vorgeschmack: es wird vielseitig.

IMG_3339

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *